Historischer Salon: Österreichs Aufklärung von oben – Josephinismus, Jakobiner und die Reaktion [Grätzel:Fokus]
Wolfgang Maderthaner im Gespräch mit Peter Lachnit


„Alles für das Volk, nichts durch das Volk“ soll das Motto von Joseph II. gewesen sein, dessen Reformen von den alten Eliten und der Kirche erfolgreich bekämpft und von der breiten Bevölkerung bisweilen misstrauisch gesehen wurden. Der „Josephinismus“ schränkte die Leibeigenschaft ein und wollte den Staat effizienter machen, doch er blieb Episode. Unter Franz I. war die „Reaktion“ angesagt – auch gegen das revolutionäre Frankreich und seine Ideen. Die mit der Französischen Revolution sympathisierenden Wiener Jakobiner wurden eingesperrt und hingerichtet, bürgerlich-demokratische Reformen mussten mehr als ein halbes Jahrhundert warten, Österreich wurde zur Nachhut des Fortschritts. Aufklärung kam in Österreich von Joseph II. bis zu Bruno Kreisky meist von oben, auch das „Rote Wien“ stand den Aktivitäten „von unten“ wie der Siedlerbewegung eher skeptisch gegenüber.
Im „historischen Salon“ werden einschneidende historische Ereignisse besprochen: anregend, kenntnisreich, locker.
Peter Lachnit ist studierter Historiker und hat beim Radioprogramm Ö1 bis 2017 die Redaktion „Diagonal“ geleitet.
Wolfgang Maderthaner hat den „Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung“ (VGA) geleitet und war von 2012 bis 2019 Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs. Von ihm zum Thema soeben erschienen: „Zeitenbrüche. Sozialrevolutionäre Aufstände in habsburgischen Landen“